Archiv für Dezember 2016

[Herboldshausen] Völkische Weihnachten mit Fackelmarsch

Der rechtsextreme „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff)“ hat in
Herboldshausen bei Kirchberg an der Jagst (Kreis Schwäbisch Hall) seine
Weihnachtsfeier nach völkisch-neuheidnischem Brauch durchgeführt.

Punkt 18.00 Uhr stehen die rund 70 Erwachsenen und Kinder mit Fackeln vor
der Tür des „Jugendheims Hohenlohe“ in dem abgelegenen Dörfchen
Herboldshausen im Norden Baden-Württembergs. Eine Mutter setzt ihrem
Sprössling noch rasch eine Mütze auf – das Thermometer zeigt minus zwei
Grad an. In Marschformation geht es für die Fackelträger los, einige
hundert Meter zu einem nahegelegenen Acker. Hier haben schon am Morgen
junge Männer einen Holzstoß aufgebaut.

Dort angekommen stellen sich die angereisten Personen – vom Kleinkind bis
zu Greis – im Kreis um den Holzstoß auf und singen alte, traditionelle
Lieder. Ein Mann spricht einige Worte, die er abliest. Eingeladen zu der
„Weihnachtsfeier“ ins „Jugendheim Hohenlohe“ hatte der völkisch
ausgerichtete „Bund für Gotterkenntnis“ (BfG). Besitzer des Grundstücks
mit großem Fachwerkhaus ist der „Ludendorffer“-Bund. Vorheriger
Eigentümer war der langjährige BfG-Vorsitzende Gunther Duda aus Dachau.
Seit den 1970er Jahren wird das Haus von den „Ludendorffern“ genutzt,
aber auch anderen rechtsextremen Gruppen zur Verfügung gestellt. Das
Bundeskriminalamt, dem seit 1980 bekannt ist, dass die Immobilie für
rechtsextreme Zwecke genutzt wird, stellte vor einigen Jahren eine
„Nutzung für Treffen, Versammlungen, Sonnwendfeiern et cetera“ fest.

„Deutsche Weihnachen weisen den Deutschen den Weg zur Freiheit“

Die Anhänger/innen der Antisemitin Mathilde Ludendorff (1877-1966) sind
eine der wenigen völkischen, neuheidnischen Strömungen, die das
Weihnachtsfest als Weihnachten feiern – und nicht etwa als „Julfest“. Das
heidnische Weihnachten sei, so schrieb Erich Ludendorff (1865-1937), „zum
jüdischen Christfest“ verkommen. „Dies erkennen wir jetzt dank unserem
Rasseerwachen“, hielt Ludendorff 1933 fest. „Das Weihnachtsfest ist
urdeutsch“, behauptete seine Frau Mathilde. „Vertieft das jüdische
Christfest die Knechtung der Deutschen, so weisen Deutsche Weihnächte dem
Deutschen den Weg zur Freiheit.“ Diesem völkisch-heidnischem Brauchtum
fühlen sich die „Ludendorffer“ auch heute noch verpflichtet.

Die Teilnehmer/innen der Weihnachtsfeier kamen überwiegend aus Hessen,
Baden-Württemberg und Bayern. Darunter waren viele Familien, die schon
seit Jahren an den völkischen Versammlungen der „Ludendorffer“
teilnehmen. Auch Angehörige der Familie Klink aus dem nahe gelegenen
Ingelfingen (Hohenlohekreis) reisten an. Die Apothekerin Gudrun Klink hatte
2010 den Vorsitz des „Bundes“ von Duda übernommen. Sie und ihr Mann
Hartmut gelten auch als Verantwortliche für das „Jugendheim Hohenlohe“
in Herboldshausen.

In diesen Tagen steht bei dem „Bund für Gotterkenntnis“ nicht nur die
„deutsche Weihnacht“ auf dem Programm, der rassistische und
antisemitische BfG gedenkt auch seines ehemaligen Chefs Gunther Duda, der
am 10. Dezember 2010 verstarb. 33 Jahre hatte Duda den „Bund für
Gotterkenntnis“ ohne Unterbrechung geführt. „Sein Anliegen galt (…)
nicht nur weltanschaulichen Fragen, sondern auch den politischen Netzwerken
im Hintergrund, für deren Aufklärung sich ja schon Erich und Mathilde
Ludendorff eingesetzt hatten“, heißt es in Gedenkworten an Duda in der
„Ludendorffer“-Zeitschrift „Mensch und Maß“. Gemeint sind damit die
„überstaatlichen Mächte“, allen voran die Juden, die laut der
Ludendorffs an der Zerstörung der Völker arbeiteten.

Quelle:
http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/v-lkische-weihnachten-mit-fackelmarsch