Stellungsnahme zu göppinger Zuständen

Eine Stellungnahme autonomer antifaschistischer Gruppen zu den aktuellen Ereignissen in Göppingen.

Neonazis sind im Kreis Göppingen seit Jahren ein Problem. Seitdem der Trend der „autonomen Nationalisten“ mit seinem offensiven Aktionismus den Kreis erreicht hat, tritt die Problematik allerdings verstärkt ins öffentliche Bewusstsein. Die faschistische Szene verkriecht sich nicht mehr nur in ihren Kneipen oder auf klandestin beworbenen Nazi-Konzerten in der Region, sondern sucht ganz offen eine breitere Aufmerksamkeit. Dabei hat sie sich insbesondere in Göppingen verstärkt auf „Anti-Antifa-Arbeit“ eingeschossen, was Störaktionen linker Parteiveranstaltungen ebenso einschließt wie unverhohlene Mordanschläge.

So wurden dem Stadtrat der Göppinger Linkspartei, Christian Stähle, vor einiger Zeit die Bremsschläuche am Auto gekappt – ein (bisheriger) brutaler Höhepunkt rechter Gewaltbreitschaft im Kreis. Gute Kontakte pflegen die Göppinger Nazis auch in den gesamten Rems-Murr-Kreis, beispielsweise zu den Brandstiftern und verhinderten Mördern von Winterbach.
Dominik Fischer, der sich derzeit in Stuttgart wegen mehrfachem versuchten Mord verantworten muss, war ebenso im Umfeld der „AN Göppingen“ unterwegs.

Das selbstbewusste Auftreten der Nazis in Göppingen ist zweifellos auf den bedauerlichen Mangel an antifaschistischen Strukturen in der Region zurückzuführen, sowie auf die Untätigkeit der Behörden, die sich durchgehend in Verharmlosung und Ignoranz ergehen.
Um diese Zustände anzugehen, hat sich vor kurzem das Bündnis „Kreis Göppingen Nazifrei“ gegründet, welches neben Vertretern von Parteien (bzw. deren Jugendorgansistionen) und Vereinen auch antifaschistische Gruppen und Einzelpersonen umfasst. Der Zusammenhang steckt noch in den Kinderschuhen und hat sich das Ziel gesetzt, dem braunen Treiben der Region mit einem vielfältigen Widerstand aus der Gesellschaft heraus zu begegnen.

Dass dieses Projekt keineswegs nur den Neonazis ein Dorn im Auge ist, beweisen die jüngsten Reaktionen aus dem rechten Spektrum des lokalen Bürgertums ingestalt von CDU und Junger Union. Hier wird deutlich, dass das eigentliche
Problem tiefer liegt und mehr umfasst als die Aktionen einiger dutzend unverhohlener Faschisten, von deren Gewalttaten sich zu distanzieren auch Konservativen nicht schwer fallen dürfte.

Dass diese oberflächlichen Distanzierungen über hohle Phrasen und Lippenbekenntnisse nicht hinausgehen, verwundert wenig in einer Stadt, in der „Junge Union“ und „Junge Nationaldemokraten“ sich gelegentlich ziemlich ähnlich sehen. In ihrer (inzwischen aus taktischen Gründen zurückgezogenen) sog. „Eislinger Erklärung“, die 2010 einen kleinen Skandal auslöste und halbgare Beschwichtigungsversuche der konservativen Mutterpartei zur Folge hatte, ließ die JU die Maske fallen und demonstrierte offen, wessen völkisch-nationalistischen Geistes Kind sie ist.
In ihrem kruden Hetzpamphlet, das der Schärfung eines „konservativen Profils“ dienen sollte, wird u.a. die „Selbstgeißelung des deutschen Volkes“ mit der eigenen Vergangenheit angeprangert und gegen Homosexuelle Stimmung gemacht. Themen, bei denen sich auch die lokalen Neonazis die Hände reiben dürften.

Doch nicht nur hinsichtlich ihrer nationalistischen, revanchistischen und anti-emanzipatorischen Positionierungen sind
Schnittstellen zwischen Konservativen und Faschisten auszumachen. Auch in ihrer Fokussierung auf den gemeinsamen linken Feind nähern sich die rechten Lager an.

Dass CDU und JU bereits vor ihrer Distanzierung vom Bündnis „Kreis Göppingen Nazifrei“ den „autonomen Nationalisten“ in Sachen Anti-Antifa-Arbeit zu Hilfe eilten, wurde u.a. in einer Anfrage der CDU- Abgeordneten Nicole Razavi an das Innenministerium deutlich, in der „linksextreme Tendenzen“ in der Grünen Jugend sowie den Jusos aufgespürt werden sollten.

Vermuteter Hintergrund für die Anfrage war die Beteiligung der Parteijugenden an den antimilitaristischen „Gelöbnix“-Aktionen in Stuttgart im Jahre 2010. Tatsächlich ist auch davon auszugehen, dass es sich hier um eine versuchte Retourkutsche der CDU auf die offene Kritik an der „Eislinger Erklärung“ handelt.

Es wird deutlich, dass der Linksxtremismus-Vorwurf als politischer Kampfbegriff der bürgerlichen Rechten dazu herangezogen wird, linkes und antifaschistisches Engagement zu diffamieren und der staatlichen Repression auszusetzen. Darüber hinaus spielt er für den bürgerlich-kapitalistischen Mainstream nicht zuletzt in Krisenzeiten die entscheidende Rolle, die herrschenden Eigentumsverhältnisse und Verwertungsprozesse gegen jede fundamentale Kritik abzusichern.

Der kapitalistische status quo wird als alternativlos hingestellt und seine radikalen Kritiker als „Extremisten“ denunziert. Zugleich wird eine angeblich unproblematische „demokratische Mitte“ konstruiert, die eine Deutungshoheit über die legitimen Formen politischer Artikulation für sich in Anspruch nimmt.

Der bürgerliche „Kampf gegen (Links-)Extremismus“ ist also kein Kampf gegen menschen- oder freiheitsfeindliche Bestrebungen, sondern fundamentaler Bestandteil bürgerlich-kapitalistischer Herrschaftsideologie. Eine seriöse wissenschaftliche Grundlage besitzt der Begriff des „Linksextremismus“ nicht – er ist vielmehr das Produkt informeller Mitarbeiter des Verfassungschutzes, der sich selbst wiederum jeder effektiven demokratischen Kontrolle
entzieht.
Die ironische Frage, wer eigentlich die Demokratie vor den (vermeintlichen) Demokraten beschützt, ist in diesem Zusammenhang tatsächlich mehr als berechtigt.

Die gleichzeitige Distanzierung der Rechtskonservativen vom „Rechtsextremismus“ ermöglicht es diesen zugleich, als
„demokratische“ Saubermänner dazustehen und ihren vermeintlich legitimen Bezug zu Volk und Nation zu behaupten. Dass insbesondere antifaschistische Gruppen hier zum Feindbild werden, ist leicht nachvollziehbar vor dem Hintergrund, dass es immer wieder diese sind die den häufig nahtlosen Übergang von CDU/CSU und Junger Union hin zum neo-nazistischen, religiös-fundamentalistischen und faschistischen Lager aufdecken (z.B. durch die Scharnierfunktion von Burschenschaften oder neurechten Publikationen).

Es ist in diesem Kontext bedauernswert, dass auch seitens Grüner Jugend und sogar Linkspartei der Versuch einer Handreichung in Richtung CDU und JU unternommen wurde, bis hin zur teilweisen Übernahme der Extremismus-Doktrin.

Der freiwillige Rückzug der Konservativen aus dem Bündnis Kreis Göppingen Nazifrei ist unserer Auffassung nach stattdessen zu begrüßen. Ein antifaschistisches Bündnis, das reaktionären Demagogen und schwarz-braunen Hetzern die Möglichkeit gibt,
ihre weiße Weste zu präsentieren, macht sich von vornherein unglaubwürdig.
Anstatt aufgrund falsch verstandener Diplomatie den Bock zum Gärtner zu machen, sollte sich ein Bündnis dieser Art konkret an den emanzipatorischen Teil der Bevölkerung richten, anstatt sich durch die Einbeziehung eines möglichst breiten Parteienspektrums den trügerischen Anschein hoher gesellschaftlicher Repräsentation zu verleihen.

Denn Antifaschismus heißt nicht, gegen Störungen des miefigen lokalen Burgfriedens durch „Extremisten“ oder „Unruhestifter“ vorzugehen.
Vielmehr muss er sich klar gegen jede Form von Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Autoritarismus, Sozialchauvinismus und sonstiger reaktionärer Positionen stellen – auch wenn diese in vermeintlich „demokratischem“ Gewand daherkommen mögen.


Autonome Antifa Heidenheim

Autonome Antifa Schwäbisch Hall

Autonome Antifaschistische Linke [Ostalb]

M31 – Frankfurt

Europäischer Aktionstag gegen den Kapitalismus

31. März 2012 | march31.net

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Seit Monaten spitzt sich die Kredit- und Schuldenkrise in der EU (und global) zu. Auf immer neuen Regierungskonferenzen werden Notprogramme beschlossen, um den Kapitalismus in Europa zu sanieren. Glaubt man Politik und Medien, drohen sonst Zusammenbruch, Rezession und neue Armut. Mit diesem Drohszenario werden marktradikale Reformen durchgesetzt, die unsere Gesellschaft und unser Leben auf Jahrzehnte bestimmen – wenn wir uns nicht wehren. In den ersten Jahren der Krise hieß es, der Kapitalismus müsse gezügelt werden. Banken und Konzerne sollten einen Teil der Lasten tragen, die sie selbst mit verursacht hatten. Doch gerade passiert das genaue Gegenteil: Die Herrschenden in der EU, ihren Mitglieds- und Beitrittsstaaten setzen auf mehr „Wettbewerb“ und einen brutalen Sparkurs, um das „Vertrauen“ und die Profite der Privatwirtschaft zu sichern. Für einen Großteil der Bevölkerung bedeutet dies eine zunehmende Verarmung und Verschärfung ihrer Lebensbedingungen. Es zeigt sich: Kapitalismus heißt Krise und Ohnmacht, Armut inmitten von Reichtum. Organisieren wir uns für eine bessere Gesellschaft!

Die Krise hat System
Die kapitalistische Globalisierung der vergangenen Jahrzehnte hat die Konkurrenz der Unternehmen und Standorte intensiviert. Alle führenden Industriestaaten haben ihre Märkte umfassend dereguliert. Sie haben soziale Sicherheiten gestrichen, öffentliche Güter privatisiert, die Rechte von Lohnabhängigen beschnitten und soziale Kontrollen verschärft, im Interesse eines möglichst ungehinderten kapitalistischen Wachstums. Doch selbst in Europa, auf der Sonnenseite dieses weltweiten Systems, wird unser Leben von Jahr zu Jahr unsicherer, und die soziale Spaltung nimmt zu. Diese Entwicklung belastet alles: wie wir lernen, wie wir arbeiten, wie wir mit einander umgehen. In den sogenannten „aufstrebenden Märkten“ herrscht ohnehin eine permanente soziale Krise: Enteignung und skrupellose Ausbeutung mit staatlicher Rückendeckung, für ein nationales Wachstum das nur Privilegierten zu Gute kommt. Die neoliberale Transformation hat auch die Finanzmärkte überkochen lassen. Ob DotCom-Boom, Immobilienfonds oder Derivatehandel – seit Jahren platzen die Spekulationsblasen, auf jeden Boom folgt ein Einbruch. Schuld daran sind nicht „Gier“ und „Korruption“ einer kleinen Elite, wie viele glauben. Schuld ist die alltägliche Profitlogik, der wir alle unterworfen sind, ob wir wollen oder nicht. Doch diese Verhältnisse sind von Menschen gemacht und können daher auch von uns verändert werden.

Das EU-Regime knacken

2011 ist die europäische Schulden- und Währungskrise eskaliert. Einige Staaten stehen vor dem Bankrott, und gefährden damit den Euro. Vordergründig haben diese Staaten „über ihre Verhältnisse gelebt“, und gelten jetzt als „Schuldensünder“. Mit dem Versuch über Schulden kapitalistisches Wachstum anzustoßen, taten sie was alle tun, nur weniger erfolgreich. Ihre Unterstützung durch die Europäische Zentralbank (EZB) und den milliardenschweren „Rettungsfonds“ ESM ist an rücksichtslose Auflagen gebunden. Eine europäische „Schuldenbremse“ soll „die Märkte beruhigen“, natürlich zu Lasten der Lohnabhängigen und Erwerbslosen. Private Profite werden dagegen nicht angetastet. Ähnlich ergeht es den ost- und südosteuropäischen Beitrittskandidaten, die von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) zu umfassenden Kürzungen und Privatisierungsprogrammen genötigt werden. All das soll das krisenträchtige Wettbewerbsregime der EU schützen, und natürlich die Ansprüche der dominanten Ökonomien Kerneuropas: Die Regierungen Deutschlands und Frankreichs konnten ihre Interessen fast ungehindert durchsetzen. Kein Zweifel, in vielen Ländern gab es heftigen Protest. Allerdings traten dabei die großen nationalen Gewerkschaften als Schützer ihrer Standortinteressen auf, und forderten allenfalls soziale Trostpflaster. Gleichzeitig sind jedoch überall Basisinitiativen entstanden, um die eigene politische Ohnmacht zu überwinden – hieran gilt es anzuschließen. Denn wenn sich etwas ändern soll, müssen wir selbst dafür sorgen.

Unser Leben in unsere Hände
Die europäische Krisenpolitik ist so spekulativ wie es der Kapitalismus immer war. Denn schärferes Sparen gefährdet die ökonomische Stabilität genau so wie Wachstum auf Pump. Es gibt im Kapitalismus keinen sicheren Weg, nur permanentes Krisenmanagement. Sollen wir unser Leben dafür verschwenden? Besser wir kämpfen gemeinsam gegen das Diktat des Kapitalismus, und organisieren uns endlich europaweit. Der Europäische Aktionstag am 31. März 2012 ist dafür ein erster Schritt. Unsere Demonstrationen in Griechenland, Spanien, Deutschland anderen europäischen Staaten sind mehr als ein Zeichen antikapitalistischer Solidarität. Sie sind schon jetzt Teil einer europaweiten Diskussion und Vernetzung. Wir laden alle emanzipatorischen Initiativen ein, diesen Prozess mit zu gestalten. Wir müssen uns außerhalb der staatstragenden Institutionen organisieren, und einen langen Atem haben. Obwohl die Krise in den europäischen Ländern oft sehr unterschiedlich verläuft, haben wir ein gemeinsames Ziel: Wir wollen den Kapitalismus nicht retten, sondern überwinden. Wir widersetzen uns nationaler Interessenpolitik und nationalistischer Krisenideologie. Die Verteidigung bestehender sozialer Rechte ist wichtig, aber unsere Perspektive muss weiter sein. Wir müssen die fatalen Zwänge des Kapitalismus brechen. “Echte Demokratie”, wie sie in vielen Protesten gefordert wird, das geht nur ohne Kapitalismus, ohne Staat und ohne Nationalismus!

18. März

Der 18. März als Kampftag für die Freilassung aller politischen Gefangenen knüpft an eine lange Tradition der revolutionären Arbeiter_innenbewegung an.

Am 18.3.1848 stand das sich gerade entwickelnde Proletariat auf den Barrikaden, 23 Jahre später, am 18.3.1871, kam es zum ersten Mal zu einer breit in der verarmten Bevölkerung verankerten Zerschlagung parlamentarisch-monarchistischer Machtstrukturen durch die proletarische Klasse. An diesem Tag griffen die Pariser Arbeiterinnen und Arbeiter zu den Waffen und schufen für einen kurzen Zeitraum eine selbstverwaltete Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, die als Pariser Commune bekannt wurde. Nach nur 71 Tagen wurde der Versuch, sich von den Fesseln der Herrschaft zu befreien, brutal niedergeschlagen.
Die militärisch hochgerüstete Reaktion übte nach ihrem Sieg über die Kommunard_innen blutige Rache. Mehr als 20.000 Männer und Frauen wurden getötet, über 13.000 Menschen zu meist lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Doch im kollektiven Gedächtnis der sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Bewegungen blieb die Commune nicht in erster Linie als Niederlage haften, sondern als die Geschichte eines gemeinsamen Aufbruchs. Bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein galt der 18. März als „Tag der Commune“.
1923 erklärte die ein Jahr zuvor gegründete Internationale Rote Hilfe (RHI) den Tag zum „Internationalen Tag der Hilfe für die politischen Gefangenen“. Der Faschismus jedoch sollte dieser Tradition ein Ende setzen.

1996 initiierte der „Förderverein Libertad! für internationale Kommunikation und Solidarität“ zusammen mit der Roten Hilfe e.V. zum ersten Mal wieder einen Aktionstag für die Freiheit der politischen Gefangenen. Seitdem werden an diesem Tag vielfältige Aktionen und Veranstaltungen durchgeführt; die Rote Hilfe versucht mit der jährlichen Sonderausgabe zum 18. März, den politischen Gefangenen eine Stimme zu verleihen sowie den verschiedenen Solidaritäts- und Antirepressionsinitiativen eine Plattform zu bieten, um die Themen „Staatliche Repression“ und „Politische Gefangene“ ins Bewusstsein zu rufen.

Denn auch heute, oft weit ab vom wahrnehmbaren Geschehen, über das in den großen Medien täglich berichtet wird, befinden sich weltweit etliche tausend Menschen in Gefängnissen, weil sie gegen die bestehenden Verhältnisse kämpften und kämpfen.

Das bürgerlich-kapitalistische Akkumulationsregime kann nur durch die mit Verwertungslogik unterfütterte, nationalstaatlich regulierte Ausbeutung der Arbeitskräfte und Rohstoffe bestehen. Das weltweite Elend, die Armut und die Kriege, die deswegen entstehen, rufen den Widerstand der Ausgebeuteten und Unterdrückten hervor. Dabei muss Repression letztendlich als ein mit aller Macht durchgesetztes Mittel des autoritären Polizeirechtsstaats zur Herrschafts- und Eigentumssicherung verstanden werden.

Das wohl wichtigste staatliche Repressionsinstrument, das oftmals den Schlusspunkt systematischer Attacken gegen linke Oppositionelle bildet, ist nach wie vor der Knast (nach ihm kommen nur noch Folter und Todesstrafe). Er soll abschrecken, soll einschüchtern und ist immer noch der augenfälligste Höhepunkt staatlich legitimierter Unterdrückungspolitik. Das Gefängnis soll – Realität geworden – durch dauerhafte räumliche und kommunikative Isolation die Betroffenen und ihr soziales Umfeld in ihren Lebensentwürfen ebenso wie in den Möglichkeiten ihrer politischen Arbeit treffen. Die bekannteren politischen Gefangenen, die sich teilweise seit Jahrzehnten in Knästen befinden, stehen dabei beispielhaft für die unzähligen eingesperrten namenlosen politischen Aktivist_innen.
Erwähnt seien in diesem Zusammenhang die inzwischen fast 9000 politischen Gefangenen in der Türkei, die mehr als 9500 politischen Gefangenen in Kolumbien oder die ca. 750 politischen Gefangenen in Spanien.
Doch auch hierzulande wurden und werden in verschiedenen deutschen Städten Genossinnen und Genossen aufgrund ihres politischen Engagements mit Repression und Knast überzogen, weil sie sich z. B. gegen Atomtransporte stellten, sich gegen Neonazis wehrten oder gegen die deutsche Kriegspolitik aktiv wurden.
Dass das Thema Knast jede und jeden treffen kann, die/der sich politisch engagiert, sollten uns einige in dieser Sonderausgabe vorgestellte Fälle mal wieder mehr als verdeutlichen. Themen dieser Ausgabe sind neben den oben bereits angesprochenen politischen Gefangenen in der Türkei und in Spanien die staatsrepressiven Verhältnisse in den USA (Cuban5, Leonard Peltier und Mumia Abu-Jamal), in Weißrussland, in der Schweiz, auf den Philippinen sowie in der BRD (Sonja Suder und Christian Gauger, Christa Eckes, Thomas Meyer-Falk usw.).

Im Hinblick auf diese global zu beobachtenden Zustände sind nach wie vor starke, strömungsübergreifende und transnational agierende Bündnisse und Netzwerke wichtig, die sich solidarisch aufeinander beziehen – und so bleibt die Solidarität mit Menschen, die aufgrund ihrer politischen Überzeugungen und Aktivitäten weggesperrt werden, weiterhin ein zentrales Anliegen der Roten Hilfe.

Unterstützen wir die Genoss_innen im Knast, machen wir ihre Situation durch Prozessbesuche, Kundgebungen, Veranstaltungen und Demonstrationen öffentlich. Setzen wir den Angriffen des Systems auf unsere Genoss_innen und Strukturen unseren entschlossenen Widerstand entgegen!

Getroffen werden einige – Gemeint sind wir alle!

Lasst uns weiter gemeinsam daran arbeiten, den Stimmen der Gefangenen und Verfolgten Gehör zu verschaffen und für ihre Freiheit zu kämpfen!

Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Ansbach 03.02.12

Chronologie des Naziüberfalles auf das „Störtebeker“ in der Silvesternacht

Am 01.01.2012 um ca. 01:00 Uhr erschienen in der Würzburger Straße ungefähr 20 Personen, die sich eindeutig dem rechtsextremen Spektrum zuordnen ließen. Sie trugen teilweise schwarz-weiß-rote Buttons oder Aufnäher und waren mit CS-Gas und/oder Pfefferspray bewaffnet. Sie bewegten sich zügig auf die linksalternative Kneipe „Störtebeker“ in der Hausnummer 18 zu, vor deren Eingang Personen standen. Diese Personen wurden ohne Umschweife von den Neonazis beschimpft und mit Feuerwerkskörpern beworfen.
Nachdem einer der Lokalbesucher in die Kneipe gerufen hatte: „Draußen sind Faschos, die wollen rein!“, drängten viele der Gäste nach außen, um zu verhindern, dass ein Eindringen der Neonazis gelingt, während andere sich im hinteren Teil des Lokals versteckten. Nach Aufforderung, den Ort zu verlassen, griffen die Neonazis an und es kam zu einer Schlägerei. Hierbei setzten die Angreifer das mitgebrachte CS-Gas und Pfefferspray ein, was zu heftigen Verletzungen bei vielen Besuchern des „Störtebeker“ führte.
Während sich einige ins Innere der Kneipe zurückzogen, um ihre Augen und Atemwege vom Pfefferspray zu befreien, versuchten die Faschisten, Einzelpersonen aus der Masse herauszuziehen, was teilweise gelang. Die Opfer wurden ebenfalls mit CS-Gas attackiert, zu Boden gerissen und mit Fußtritten überzogen. Hierbei kam es zu ernsthaften Verletzungen, wie Platzwunden und Knochenbrüchen.
Mehrere Besucher des Lokals riefen schon sehr bald die Polizei, die erst nur einen Streifenwagen vorbeischicken wollte, bei genauerer Beschreibung jedoch auch den Ernst der Lage erkannte und schließlich schnell mit mehreren Bussen anrückte. Trotz der offensichtlichen Überforderung der Polizei gelang es, alle Neonazis zu ergreifen und, genau wie bei den Besuchern der Kneipe, die Personalien aufzunehmen.
Drei Antifaschisten, die während des Angriffs verletzt worden waren, mussten ins Krankenhaus gebracht werden, zwei von ihnen wurden ambulant behandelt, einer aufgrund der gravierenden Verletzungen auch zwei Tage stationär.

Die Tatsache, dass die Neonazis in der Silvesternacht in einer derart großen Gruppe bewaffnet direkt vor dem „Störtebeker“, das als linksalternativer Treffpunkt bekannt ist, auftauchten, kann kein Zufall sein, zumal sie augenscheinlich nicht alkoholisiert waren.
Fest steht: Das war ein gezielter Angriff auf Andersdenkende!

Die Polizei muss hier einen klaren Unterschied zwischen den Angreifern und den Opfern des Angriffs machen.
Wir werden diesen feigen Angriff der Faschisten auf alternative Strukturen nicht tolerieren. Die Skrupellosigkeit und Menschenverachtung, mit der die Neonazis vorgingen, schockiert uns, wenn sie uns auch nicht überrascht.

Um auf die offensichtlichen Missstände und Probleme hinzuweisen, wird
am 03.02.2012 um 16:00 Uhr am Martin-Luther-Platz eine Demonstration
stattfinden.

Kein Fußbreit den Faschisten!

Aus diesem Grund werden wir nach Ansbach fahren. Kein Fußbreit den Faschisten, den antifaschistischen Selbstschutz organisieren. Bildet Banden!

Knastspaziergang

Auch in Schwäbisch Hall werden wir Heute zum Knast ziehen, um unseren Unmut, unserer Wut und unseren Protest gegen das System und seinen Institutionen ausdruck zu verleihen. Hier ein Text von ABC Berlin zu Knästen usw.

Dresden am 18.02.12 blockieren

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Aller guten Dinge sind drei!
BLOCK DRESDEN 2012 – Blockieren, bis der Naziaufmarsch Geschichte ist

In den vergangen zwei Jahren ist uns etwas gelungen, das viele für unmöglich gehalten hatten: Wir haben den Naziaufmarsch in Dresden erfolgreich blockiert. Tausende Nazis konnten ihr eigentliches Ziel, mit einer Großdemonstration ihre menschenverachtende Ideologie zur Schau zu stellen, nicht erreichen.

Mit dem Aufmarsch im Februar versuchten sie in den vergangenen Jahren, an das Gedenken an die Bombardierungen Dresdens im Februar 1945 und den damit einher gehenden Mythos der „unschuldigen Stadt Dresden“ anzuknüpfen. Auch durch Ignorieren und Wegschauen seitens der Stadtverwaltung und eine mangelnde Entschlossenheit großer Teile der Dresdner Zivilgesellschaft konnte dieser Termin zu Europas größtem Naziaufmarsch mit bis zu 7000 Teilnehmenden werden. Doch die Dynamik der Aufmärsche ist gebrochen. Zu verdanken ist dies insbesondere dem entschlossenen Handeln von zwölftausend (2010) und zwanzigtausend Menschen (2011), die mit Massenblockaden den Marsch der Nazis verhinderten.

Wir wenden uns gegen jede Form von Geschichtsrevisionismus. Alten und neuen Nazis darf keine Gelegenheit gegeben werden, die deutsche Geschichte zu verklären und die NS-Verbrechen zu verherrlichen. Daher werden wir am 13. Februar 2012 den „Täterspuren“-Mahngang durchführen, um an die NS-Geschichte in Dresden zu erinnern.

„Sagen, was man tut, und tun, was man sagt“ – durch dieses Motto war unser Handeln der letzten Jahre geprägt. Dabei bleibt es! Uns eint das Ziel, den Naziaufmarsch durch Massenblockaden zu verhindern. Unser Ziel ist dabei nicht die Auseinandersetzung mit der Polizei. Wir sind entschlossen, den Naziaufmarsch zu blockieren – von uns wird dabei keine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen, den Naziaufmarsch zu verhindern.

„Unsere Vielfalt ist unsere Stärke“ – das war unser Credo der letzten Jahre. Dabei bleibt es! Mit einem breiten Bündnis aus Antifagruppen, lokalen Initiativen und Aktionsgruppen, Gewerkschaften, Parteien und Jugendverbänden, religiösen Gruppen sowie zahlreichen weiteren Organisationen und Einzelpersonen haben wir deutlich gemacht: Blockaden sind legitim, und Dresden geht uns alle an!

AntifaschistInnen wurden in den letzten Monaten vermehrt mit staatlichen Repressionen überzogen. Rechtswidrige Funkzellenabfragen, politisch motivierte Strafverfahren, selbst Immunitätsaufhebungen werden uns nicht einschüchtern. Versuchen von außen, uns mittels der Extremismustheorie zu spalten, setzen wir unsere Solidarität entgegen. Wir lassen uns nicht spalten. Ziviler Ungehorsam ist unser Recht, unsere Blockaden sind legitim!

Lassen wir uns nicht einschüchtern! Wir protestieren im Februar in Dresden auch gegen die staatliche Aushöhlung des Versammlungsrechts und einen Schnüffel-Staat. In Dresden soll bewusst das Rechtsordnungsprinzip der Verhältnismäßigkeit verschoben werden, um einen „gläsernen Demonstranten“ zu schaffen. Wir treten dem entschieden entgegen. Dabei stehen wir zusammen gegen alle Versuche der Einschüchterung und der Beschneidung unserer Bürgerrechte.

Auch 2012 werden wir den Naziaufmarsch in Dresden blockieren. Die Mordserie der in Sachsen untergetauchten Nazis zeigt einmal mehr, wie wichtig entschlossenes antifaschistisches Handeln ist. Antifaschistisches Engagement darf nicht kriminalisiert, sondern muss unterstützt werden. Jahrelang sind Anschläge, Nazigewalt und Waffenfunde in der Naziszene bagatellisiert worden. Schluss damit!

Wir geben den Nazis keinen Meter Straße preis. Wir blockieren sie in Dresden: bunt und lautstark, kreativ und entschlossen!

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Es wird noch eine Infoveranstaltung im Club Alpha 60 geben. Hier werden eine gemeinsame Busfahrt aus SHA sowie allgemeine Dinge zu Dresden besprochen.

Faszyzm nie Prejdizie – Polens rechte

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Die rechtskonservative Regierung hat, zusammen mit der katholischen Kirche, ein rassistisches, antisemitisches und homophobes Klima in Polen erschaffen. Unter diesen Bedingungen ist die rechte Szene, zusammengesetzt aus Nationalisten, klassischen Neo-Nazis bis hin zu gewaltbereiten Hooligans emenz gewachsen. All diese Gruppierungen treffen sich jährlich am 11. November zum „Marsch der Unabhänigkeit“. Dieses jahr werden knapp 11 000 Personen erwartet die an diesem Aufmarsch teilnehmen. Hierzu findet am 1.11 um 20 Uhr eine Infoveranstaltung im Club Alpha 60 statt. Kein Fußbreit den Faschisten.
Hier noch der Text in Englisch:
Text

9. November Wuppertal

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Hier unser Aufruf

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fanden in fast allen deutschen und österreichischen Städten Pogrome statt in denen Synagogen, Geschäfte und Wohnhäuser von jüdischen Bürgern und Bürgerinnen oder Menschen, die in der NS-Ideologie zu “Juden” gemacht wurden, niederbrannten. Zahlreiche Jüdinnen und Juden wurden ermordet oder festgenommen und misshandelt. Auch in Wuppertal kam es zu jenen organisierten Gewaltausbrüchen, die auch nicht vor Privatwohnungen halt machten. Die Synagogen in Elberfeld und Barmen brannten komplett aus. Erst 2002 wurde in Wuppertal Barmen eine neue Synagoge errichtet. In allen Städten beteiligten sich hunderte Bürgerinnen und Bürger an den von der SA begonnenen Zerstörungen und Plünderungen. Dies war nur ein vorläufiger Höhepunkte des Antisemitismus in Deutschland, welcher später in dem Versuch der Auslöschung des gesamten europäischen Judentums endete.

Mit der Reichspogromnacht wurde deutlich, dass die Bevölkerung die NS-Politik gegen Menschen, die als jüdisch eingeordnet wurden mittrug. Da nicht nur der Ausschluss aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, sondern auch offene Gewalttaten gesellschaftlich akzeptiert wurden, konnte die antisemitische und rassistische Politik der NationalsozialistInnen gegen Juden radikalisiert werden. Schon zuvor gab es zahlreiche rechtliche und gesellschaftspolitische Maßnahmen, die für einen größtmöglichen Ausschluss sorgen sollten. 1933 wurde von der NSDAP zu ersten Boykottaktionen jüdischer Geschäfte aufgerufen. Anschließend wurden jüdische Kinder und Jugendliche aus deutschen Schulen und Universitäten gezielt entfernt, da diese angeblich überfüllt waren. Die meisten Maßnahmen wurden mit einer Bedrohung des deutschen Volkes durch das “Weltjudentum” begründet. So führte “der Jude” in dem von Verschwörungsdenken durchzogenem Weltbild der Nationalsozialist_innen angeblich durch “die Presse”, die in jüdischer Hand verortet wurde, einen Lügenfeldzug gegen das deutsche Volk. Daher wurde Juden und Jüdinnen auch die Arbeit in den Medien verboten. 1935 beschloss die NSDAP die “Reinhaltung deutschen Blutes” in den Nürnberger Rassengesetzen, nach denen “Juden” keinen Geschlechtsverkehr mit “Nicht-Juden” haben durften. Auf das Berufsverbot in der Medienlandschaft folgt der Ausschluss von Juden aus Ämtern, den Rechtsanwalts- und Ärztekammern und vielen anderen Berufsgruppen. Zudem wurden Juden sozial diffamiert wo und wie es nur ging. Es gab “Judenfreie Wälder”, “Judenfrei Seebäder”, Ortseingangs-Schilder, auf denen stand, dass Juden nicht willkommen seien und allgegenwärtige verbale Angriffe.

Auch wenn heute bekannt ist, dass der Pogrom am 9. November von der NS-Führung inszeniert war, bleibt die kräftige Beihilfe der “ganz normalen” Bürger_innen von zentraler Bedeutung. In fast allen deutschen Städten griffen hunderte Menschen zu Steinen und Fackeln. Ohne sie hätten die Pogrome niemals jene Ausmaße annehmen können. Wohnungen und Geschäfte wurden von den unmittelbaren Nachbarn zerstört und geplündert. Mit den Pogromen setzte die deutsche Volksgemeinschaft, bei der Antisemitismus und Rassismus längst zu konstituierenden Elementen geworden waren, ein Zeichen. Ein Zeichen, dass es keinen Platz für jüdische Mitbürger_innen in dieser Volksgemeinschaft gab.

Aus Sicht der NS-Führung waren die Tage um den 9.November also nicht nur hinsichtlich der konkreten Zerstörung hunderter Synagogen ein Erfolg, sondern auch ein großer Erfolg ihrer antisemitischen Propaganda. Sie konnten resümieren: Das deutsche Volk legt sich gewaltbereit gegen Volksfeinde ins Zeug. Es war erkennbar geworden wie weit der Volksmob in seiner Zerstörungswut gehen würde, wenn es gegen Juden und Jüdinnen geht. Stimmen gegen die Gewalt gab es kaum und wenn, dann meist in Form von Empörung darüber, dass das geplünderte Gut nicht aufgeteilt, sondern zerstört wurde. Die NS-Presse schuf für die Ereignisse den zynischen Begriff “Reichskristallnacht”, um die Pogrome bei denen Menschen ermordet, ungefähr tausend Synagogen und Gemeindehäuser niedergebrannt und mehrere tausend Geschäfte und Wohnungen zerstört wurden, zu verherrlichen. In den Tagen danach wurden ungefähr 30.000 als Juden definierte Menschen in Konzentrationslager verschleppt. Damit stellt der 9. November den Auftakt zur Shoa dar.

Es ist bezeichnend, dass der verharmlosende Begriff “Reichskristallnacht” noch heute eine gängige Bezeichnung für den 9. November ist. Dabei rühmen sich die Deutschen damit Aufarbeitungsweltmeister zu sein. Was das allerdings genau bedeutet ist fraglich. Wenn mit Aufarbeitung gemeint ist, jedes Jahr an drei Tagen die immer gleichen Gedenkreden zu halten, mag Deutschland wirklich Aufarbeitungsweltmeister sein. Auch im Fernsehprogramm laufen wiederkehrend an Tagen wie dem 9. November oder dem 8. Mai Beiträge zum “dunkelsten Kapitel Deutschlands”. Doch das wie von einem Tape abgespulte Faktenwissen und Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus – und noch mehr über den 2. Weltkrieg –, täuscht darüber hinweg, dass all dies am Kern des Problems vorbeigeht: Einer Analyse und Kritik der Ideologie der deutschen Volksgemeinschaft. Ohne eine solche verfehlt die Aufarbeitung ihr eigentliches Ziel. Nämlich, dass sich das Geschehen niemals wiederholt. In abgeschwächter und transformierter Form sorgte das vor allem auf Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und Volkgemeinschaft beruhende Weltbild der Nazis auch nach der „Wiedervereinigung“ für hunderte Tote und Pogrome wie z.B. in Rostock-Lichtenhagen nicht nur durch organisierte Nazis, sondern auch durch den Mob der “anständigen Deutschen”.

Doch die deutsche Gedenkpolitik ignoriert nicht nur die Grundlagen der NS-Ideologie, sondern verfolgt gänzlich andere Ziele. Das Bedauern gilt nicht primär den Opfern der Shoa, sondern der deutschen Nation und den Deutschen, die unter der deutschen Geschichte und dem Schicksal nicht unverkrampft stolz auf ihre Nation sein zu können, leiden. So wird auch häufig “allen Opfern von Faschismus und Krieg” gedacht – also gleichermaßen den im KZ Ermordeten und den mordenden Wehrmachtssoldaten. Diese fehlenden Unterscheidung von Täter_innenn und Opfern wird beim Gedenken an die “Bombennächte” auf die Spitze getrieben. Dort wird der Spieß umgedreht und aus der Bevölkerung, die am 9. November 1938 die Scheiben von “jüdischen Geschäften” einwarf, wird nicht selten ein unschuldiges Opfer “des Krieges”.
An eine solche Denkweise bietet auch große Anknüpfungspunkte für Neonazis. Ebendiese versuchen immer offensiver nicht nur geschichtsrevisionistische Positionen, sondern klassische NS-Symboliken auf die Straße zu tragen. Ein ausgebliebener Skandal stellt z.B. die Kundgebung der NPD Essen am 9.November 2010 in Essen-Borbeck dar, trugen doch die Neonazis bei der Veranstaltung NPD-Fahnen und Fackeln1. Die Verhöhnung der Opfer der Reichspogromnacht ist schon durch die bloße Anwesenheit der Neonazis vollkommen. Doch setzt es dem Ganzen die Krone auf, dass Neonazis am 9.November mit brennenden Fackeln auf einem öffentlichen Platz stehen konnten und jeder und jedem klar war, dass die Fackeln symbolisch für die brennenden Synagogen getragen wurden.

Da der Antisemitismus der deutschen Bevölkerung nicht von der NS-Führung aufgezwungen wurde, sondern die Vernichtung des europäischen Judentums von der deutschen Bevölkerung mitgetragen wurde, verschwand der Antisemitismus auch nicht mit der Kapitulation Deutschlands. Auch heute noch sind Rassismus und Antisemitismus alltäglich präsent. Daher darf das Gedenken an die Opfer der Shoa kein Lippenbekenntnis sein, sondern muss dafür Kämpfen den Schwur von Buchenwald endlich zu erfüllen: Den Faschismus an seinen Wurzeln – also auch seine ideologischen Grundlagen – zu vernichten.

Gegen Nazis, Volksgemeinschaft und Geschichtsrevisionismus!
Nie wieder Deutschland!

In diesem Sinne: Remembering means fighting!!!
Wer mit dem Gedanken spielt die 45KW in NRW zu verbringen melde sich.

Nothing gonna stop is now! 08.10.11 HN

Flyer
Am 01. Mai 2011 demonstrierten über 800 Faschisten aus ganz Süddeutschland in Heilbronn. Sie folgten dem rassistischen Aufruf „Fremdarbeiterinvasion stoppen – Arbeitsplätze zuerst für Deutsche“ des „Nationalen und Sozialen Aktionsbündnisses Erster Mai“.

Ermöglicht wurde der Aufmarsch durch ein enormes Polizeiaufgebot, das jeglichen antifaschistischen Protest, der über symbolische Gesten fernab des Geschehens hinausging, unmöglich machen sollte. So wurden an diesem Tag über 500 AntifaschistInnen in Gewahrsam genommen und noch einmal so viele mussten den Tag in Polizeikesseln verbringen. Selbst der Pressesprecher des Bündnisses „Heilbronn stellt sich quer“, das zu friedlichen Sitzblockaden gegen den Naziaufmarsch aufrief, wurde fernab jeglicher Blockadeaktionen in Gewahrsam genommen und dort über 12 Stunden festgehalten.

Hinter diesem unverhältnismäßigen Einsatz von über 3900 Beamten – zum Vergleich: In Halle waren es am selben Tag bei einem ähnlich großen Naziaufmarsch ca. 1000 Polizisten – stand eindeutig der politische Wille die Demonstration der Faschisten durchzusetzen und antifaschistische Erfolge zu verhindern. Das war auch der Grund, aus dem die Polizei bereits im Vorfeld tausende Flyer drucken und verteilen ließ, die Zivilen Ungehorsam in Form von Blockaden als Gewalt darstellten und dazu aufforderten sich von effektiven Aktionsformen gegen den Naziaufmarsch zu distanzieren. Die Grundlage dieser Polizeistrategie lieferte die Stadt Heilbronn, die alle angemeldeten antifaschistischen Kundgebungen in Hör- und Sichtweite zum Naziaufmarsch verbot und das komplette Bahnhofsviertel zur versammlungsfreien Zone erklärte. Während die Faschisten also von tausenden Polizisten beschützt ihre Propaganda verbreiten konnten und den Tag als Erfolg feiern, wurde der Widerstand von über 1000 AntifaschistInnen kriminalisiert. Und diese Kriminalisierung ist noch nicht zu Ende. Zahlreiche AktivistInnen, die sich gegen den Naziaufmarsch engagierten, werden sich in Ermittlungsverfahren und Gerichtsprozessen dafür verantworten müssen.

Die Repressionen gegen AntifaschistInnen in Heilbronn beschränken sich jedoch nicht nur auf die Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch am Ersten Mai. Im letzten Jahr war eine willkürliche Beschuldigung durch einen Heilbronner NPD- Kader für die Kriminalpolizei und das Amtsgericht Grund genug, gegen einen antifaschistischen Jugendlichen zu ermitteln, ihn an seiner Ausbildungsstätte aufzusuchen und sein Auto sowie seine Wohnung zu durchsuchen. Am 1. Oktober 2010 griff die Polizei in der Heilbronner Innenstadt eine friedliche Spontandemonstration gegen ein Konzert mit dem rechten Liedermacher Frank Rennicke an und nahm willkürlich Personen fest. Und am 2. April dieses Jahres – nur wenige Wochen vor dem 1. Mai – gingen Polizeibeamte mit Schlagstöcken und Hunden gegen AntifaschistInnen vor, die gegen eine von der Stadt verheimlichte Kundgebung der Nazis auf dem Berliner Platz protestieren wollten. Auch dabei kam es zu mehreren Festnahmen engagierter NazigegnerInnen.

Während linke und antifaschistische AktivistInnen in Heilbronn also immer wieder kriminalisiert werden und den Druck der staatlichen Repressionsorgane zu spüren bekommen, wird die Existenz einer organisierten Naziszene in und um Heilbronn bestritten oder diese verharmlost.

Nach einem Brandanschlag auf einen türkischen Supermarkt nach einer Feier anlässlich des Geburtstages von Adolf Hitler im April 2010 ging die Polizei – selbst nachdem sie die bereits wegen Hakenkreuzschmierereien bekannten Täter gefasst hatte – nicht von einer „politisch motivierten Straftat“ aus. Auch als kurz darauf die Bar eines Enkels von Überlebenden des Holocaust mit Hakenkreuzen und dem Schriftzug „Jude“ beschmiert wurde, erklärte ein Pressesprecher der Polizei in der Heilbronner Stimme: „Es gibt im Unterland keine organisierte rechte Szene“. Diese Relativierung geht so weit, dass die Demonstration am ersten Mai als importiertes Problem bezeichnet wurde, obwohl lokale NPD- Kader wie Marcel Müller und Matthias Brodbeck maßgeblich an der Organisation der rassistischen Kampagne und der Demonstration beteiligt waren.

Heilbronn wurde von den Faschisten gezielt als Aufmarschort für den 1.Mai ausgesucht. Zum einen weil sie hier über seit Jahren gefestigte Strukturen verfügen und auf Resonanz in einem rechtsoffenen bzw. rechten subkulturellen Milieu stoßen. Zum anderen aber auch, weil klar war, dass von der Stadt und einem Großteil der zivilgesellschaftlichen Organisationen kein Widerstand zu erwarten war, der die Durchführung des Aufmarsches ernsthaft gefährden würde.

Jetzt nach dem ersten Mai hat die Naziszene in Heilbronn und der Region deutlich an Stärke und vor allem an Selbstbewusstsein gewonnen. Ganze Cliquen junger Faschisten und anpolitisierter rechter Jugendlicher treten offen in der Innenstadt auf, tragen eindeutige Symbole, hören die Musik bekannter Nazibands und pöbeln MigrantInnen und alternative Jugendliche an. In Zusammenarbeit mit der Heilbronner NPD/JN hat sich außerdem eine „Aktionsgruppe Heilbronn“(AG Heilbronn) gegründet. Diese ist den sogenannten „Autonomen Nationalisten“ zuzurechnen und versammelt junge militante Faschisten, die vor allem „auf der Straße“ aktiv sein wollen. Die AG Heilbronn ist außerdem überregional mit anderen „Kameradschaften“ vernetzt.

Wohin die Kombination aus einer faschistischen Ideologie und dem Gefühl von Stärke und Selbstbewusstsein führt, zeigen uns die 149 seit 1990 von Nazis begangenen dokumentierten Morde an MigrantInnen, politischen GegnerInnen, Obdachlosen und Homosexuellen – auch in der Region Heilbronn. Am 19. Juli jährte sich der Mord an Werner Weickum, der vor 15 Jahren von Neonazis am Eppinger Bahnhof zu Tode geprügelt wurde.

Leider findet man solche traurigen Beispiele auch in der jüngeren Vergangenheit: Am Abend des 10. April dieses Jahres jagten Faschisten in Winterbach im Rems-Murr-Kreis eine Gruppe Migranten. Als sich diese in einer Holzhütte verbarrikadierten, legten die Nazis ein Feuer – was einem kaltblütigen Mordversuch gleich kommt. Glücklicherweise kamen die Eingeschlossenen mit dem Leben davon.

In anderen Regionen sind Gebiete und Stadtviertel, in denen Menschen, welche nicht in das Weltbild der Nazis passen, sich nicht mehr sicher fühlen können, das traurige Ergebnis solcher Bedrohungen.

Es ist darum absolut notwendig, gegen die Ideologie und Praxis der Faschisten zu kämpfen und ihnen dort, wo sie auftreten, Widerstand entgegenzusetzen. Auf staatliche Institutionen und die Polizei dürfen wir uns dabei nicht verlassen- das haben die letzten Jahre bewiesen und das hat einmal mehr das Ausmaß gezeigt, in dem Stadtverwaltung und Polizei am 1.Mai die Faschisten in Heilbronn hofiert und jeden effektiven Protest gegen die rechten Hetzer unterbunden haben.

Dabei gilt es auch nicht aus den Augen zu verlieren, dass die Nazis politisch momentan zwar eher marginalisiert sind, ihre Ideologie allerdings ein Produkt der bestehenden Gesellschaftsordnung ist. Wichtige Bestandteile der faschistischen Weltanschauung –Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus- sind überall in der Gesellschaft weit verbreitet und werden von der herrschenden Klasse auch bewusst eingesetzt, um zu spalten und von sozialen und ökonomischen Widersprüchen abzulenken. Der antifaschistische Kampf muss deswegen von unten in allen Bereichen der Gesellschaft geführt werden.

Bei aller Enttäuschung über die Niederlage der NazigegnerInnen am 1.Mai gab es doch auch an diesem Tag Anknüpfungspunkte für einen solchen Antifaschismus von unten: immerhin haben über 1000 Menschen aus ganz verschiedenen Spektren trotz massiver Kriminalisierung und Hetze versucht, sich den Nazis in den Weg zu stellen.

Wir lassen uns deshalb von der Machtdemonstration der Faschisten und der Repression der Ermittlungsbehörden, der Richter, Staatsanwälte und Polizisten nicht in die Defensive drängen. Anstatt passiv zu werden und uns einschüchtern zu lassen, werden wir gemeinsam die nächsten Schritte tun. Dazu gehören sowohl eine intensive Aufklärungsarbeit über die Strukturen der Faschisten und ihre Ideologie als auch Aktivitäten gegen die Nazis auf allen Ebenen. Erfolgreich können wir dabei aber langfristig nur sein, wenn wir kollektiv und organisiert vorgehen. Deshalb muss der bereits begonnene Aufbau antifaschistischer Strukturen, Bündnisse und Organisationen weiter vorangetrieben werden.

Beteiligt Euch an der Kampagne!
Den Antifaschismus von unten aufbauen!

G20: Die Krise heißt Kapitalismus 05.11.11

no g20 – Die Krise heißt Ka­pi­ta­lis­mus

Nach­dem be­reits im Mai 2011 der G8-​Gip­fel im fran­zö­si­schen De­au­vil­le statt­ge­fun­den hat, wol­len sich die Re­gie­rungs-​ und Fi­nanz­chefs der 20 mäch­tigs­ten In­dus­trie-​ und Schwel­len­län­der An­fang No­vem­ber 2011 im fran­zö­si­schen Can­nes tref­fen. Ge­mein­sam mit Ver­tre­tern des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF) und der Welt­bank (WB) set­zen sich die Staats­ober­häup­ter der „Grup­pe der 20″ (G20) an einen Tisch um welt­wei­te „Kri­sen­be­wäl­ti­gungs­maß­nah­men“ in Form von So­zi­al­ab­bau, Spar­dik­tat und im­pe­ria­lis­ti­schen In­ter­ven­tio­nen zu ko­or­di­nie­ren.

Die Krise heißt Ka­pi­ta­lis­mus

Die Krise ist längst nicht vor­über. Grie­chen­land, Ir­land und Por­tu­gal schei­nen so gut wie plei­te und sind auf die „Ret­tung“ durch IWF, EZB und EU an­ge­wie­sen. Doch vor allem in Grie­chen­land wird deut­lich, was diese Ab­hän­gig­keit für die Men­schen be­deu­tet. Der Aus­ver­kauf des Lan­des ist in vol­lem Gange. Im Zuge der Pri­va­ti­sie­rungs­po­li­tik wer­den einst staat­li­che Be­rei­che an aus­län­di­sche, nicht zu­letzt auch an deut­sche In­ves­to­ren, aus­ver­kauft. Er­kämpf­te so­zia­le Stan­dards wer­den zu­rück­ge­nom­men, das Ren­ten­ein­tritts­al­ter wird her­auf­ge­setzt, die Löhne sin­ken. Was in Grie­chen­land in zu­ge­spitz­ter Form zu be­ob­ach­ten ist, näm­lich die Um­ver­tei­lung des Reich­tums von unten nach oben, steht über­all auf der Ta­ges­ord­nung.

Ge­ra­de auch in Deutsch­land setzt sich der Abbau der So­zi­al­staat­lich­keit fort, Leis­tun­gen wer­den ge­kürzt, der Ar­beits­markt „fle­xi­bi­li­siert“, was für viele Men­schen nichts an­de­res be­deu­tet als Ar­beit­lo­sig­keit und so­zia­ler Ab­stieg. Die Grund­be­dürf­nis­se der Men­schen wer­den ge­op­fert um wei­ter­hin die Pro­fit­in­ter­es­sen des Fi­nanz-​ und Wirt­schafts­sek­tors durch­zu­set­zen. Eine So­zia­li­sie­rung der Ver­lus­te fin­det statt und damit ein­her­ge­hend die Pri­va­ti­sie­rung der Ge­win­ne. Das heißt we­ni­ger Geld für Bil­dung, so­zia­le Si­che­rung und Ge­sund­heits­ver­sor­gung und Mil­li­ar­den aus öf­fent­li­chen Gel­dern für so­ge­nann­te Ret­tungs­pa­ke­te. Die BRD setzt diese Po­li­tik nicht nur im ei­ge­nen Land kon­se­quent durch, bei­spiels­wei­se durch die Agen­da 2010, son­dern nimmt hier­bei eine Vor­rei­ter­rol­le in Eu­ro­pa ein.

Die G20 ist of­fen­sicht­lich nicht daran in­ter­es­siert die Le­bens­be­din­gun­gen der lohn­ab­hän­gi­gen Men­schen zu ver­bes­sern. Viel­mehr dient die Krise als Le­gi­ti­ma­ti­on für Kür­zungs­wahn und So­zi­al­ab­bau mit dem Ziel die ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­be­din­gun­gen zu op­ti­mie­ren. Die Be­dürf­nis­se der Men­schen spie­len im Ka­pi­ta­lis­mus keine Rolle. Und was bei uns pre­kä­re Be­schäf­ti­gung oder Ar­beits­lo­sig­keit und damit so­zia­le Aus­gren­zung be­deu­tet, heißt im Tri­kont und in Tei­len der Schwel­len­län­der Hun­ger, Krank­heit und Tod.

Krieg dem Krieg

Auf der Ta­ges­ord­nung der G20 ste­hen längst nicht mehr nur wirt­schaft­li­che Fra­gen. Auch eine ge­mein­sa­me „Si­cher­heits­po­li­tik“ wird immer mehr zum Thema. Durch den, seit den 80er Jah­ren vor­an­schrei­ten­den und durch den Weg­fall der Sys­tem­kon­kur­renz noch be­schleu­nig­ten Sie­ges­zug der neo­li­be­ra­len Glo­ba­li­sie­rung, kommt es ver­stärkt zu mi­li­tä­ri­schen In­ter­ven­tio­nen zur Durch­set­zung geo­stra­te­gi­scher und wirt­schaft­li­cher In­ter­es­sen. Zum einen zeigt sich das darin, dass mit Hilfe von In­sti­tu­tio­nen wie IWF und Welt­bank welt­weit Wirt­schafts­räu­me im Sinne west­li­cher In­ter­es­sen re­struk­tu­riert wer­den. Dies äu­ßert sich darin, dass bei­spiels­wei­se die BRD und Frank­reich der­zeit Grie­chen­land dik­tie­ren, wie es sei­nen Haus­halt zu sa­nie­ren hat. Aber auch die Durch­set­zung von Frei­han­dels­zo­nen in wei­ten Tei­len des Tri­konts sind hier­für ein Bei­spiel.

Auf der an­de­ren Seite ge­win­nen auch di­rek­te mi­li­tä­ri­sche In­ter­ven­tio­nen und die In­stal­la­ti­on von Mario­net­ten­re­gi­men immer mehr an Be­deu­tung. Im Irak, in Af­gha­nis­tan und auch in Li­by­en zeigt sich deut­lich, dass es bei die­sen En­sät­zen nicht um den Schutz von Men­schen­rech­ten und De­mo­kra­tie geht son­dern um die Si­che­rung von Res­sour­cen und um die Er­schlie­ßung neuer Märk­te mit dem er­wünsch­ten Ne­ben­ef­fekt der An­kur­be­lung der Rüs­tungs­in­dus­trie, mit den ent­spre­chen­den Fol­gen für die Be­völ­ke­rung vor Ort.

In­ter­na­tio­na­le So­li­da­ri­tät muss prak­tisch wer­den

Seit die G8-​Tref­fen, nicht zu­letzt durch zu­neh­men­de Gip­fel-​Pro­tes­te der glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­schen Be­we­gung, immer mehr in eine Le­gi­ti­ma­ti­ons­kri­se ge­ra­ten, wer­den sie nun nach und nach von den G20 ab­ge­löst. Gerne wird be­haup­tet, dass die Frage der Le­gi­ti­ma­ti­on nun kein Thema mehr sei, da die G20 nun ja 2/3 der Welt­be­völ­ke­rung re­prä­sen­tie­ren wür­den. Im we­sent­li­chen han­delt es sich je­doch um die Re­gie­run­gen der rei­chen ka­pi­ta­lis­ti­schen Staa­ten, die hier am Tisch sit­zen und im Sinne der be­sit­zen­den Klas­se han­deln und nicht im Sinne von 2/3 der Welt­be­völ­ke­rung. Die welt­wei­te Durch­set­zung des neo­li­be­ra­len Ka­pi­ta­lis­mus macht ge­leb­te in­ter­na­tio­na­le So­li­da­ri­tät not­wen­di­ger denn je. Die herr­schen­de Klas­se setzt alles daran diese So­li­da­ri­tät im Keim zu er­sti­cken. Durch die stän­di­ge Hetze gegen „faule Grie­chen“, die selbst Schuld an „ihrer Krise“ hät­ten, soll von den ge­mein­sa­men In­ter­es­sen der Lohn­ab­hän­gi­gen hier und in Grie­chen­land ab­ge­lenkt wer­den. Denn das Er­ken­nen die­ser Ge­mein­sam­kei­ten kann eine Waffe sein und ist un­ab­ding­bar für die Ver­tei­dun­gung so­zia­ler Er­run­gen­schaf­ten und den er­folg­rei­chen Kampf für eine re­vo­lu­tio­nä­re Per­pek­ti­ve jen­seits von Hun­ger, Aus­beu­tung und Krieg. Den Klas­sen­kämp­fen welt­weit, die sich gegen im­pe­ria­lis­ti­sche Ein­fluss­nah­me weh­ren muss un­se­re So­li­da­ri­tät gel­ten.

Auf die Stra­ße in Frei­burg gegen die G20

In die­sem Jahr fin­den keine gro­ßen zen­tra­len Gip­fel­pro­tes­te in Frank­reich statt, an­ders als bei­spiels­wei­se 2007 beim G8-​Gip­fel in Hei­li­gen­damm oder 2009 beim NA­TO-​Gip­fel in Stras­bourg und Kehl. Wir fol­gen dem Auf­ruf der glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­schen Be­we­gung zu de­zen­tra­len Ak­tio­nen und wer­den am 5. No­vem­ber 2011 im Drei­län­der­eck in Frei­burg un­se­ren Pro­test gegen die herr­schen­den Ver­hält­nis­se laut­stark und ent­schlos­sen auf die Stra­ße tra­gen. Be­tei­ligt euch an der De­mons­tra­ti­on und wer­det aktiv für eine Welt ohne Aus­beu­tung und Krieg.